Vom Vertrauen in das Leben

In dem von Rainer Maria Rilke geschriebenen Werk „Über die Geduld“ heißt es: „…Man muss Geduld haben mit dem Ungelösten im Herzen, und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben, wie verschlossene Stuben, und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Es handelt sich darum, alles zu leben. Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein.“
Aus meiner Sicht spricht Rilke von Vertrauen in das Leben. Das Leben, das Erfahrungen hervorbringt, die in Übereinstimmung mit uns selbst sein KÖNNTEN. Allerdings erfordert dies Bewusstsein.
Leben ist ein Resonanzfeld unserer Gedankenmuster. Aus der Identifikation mit dem Konstrukt unserer Gedanken, ziehen wir Situationen und Menschen in unser Erleben hinein, welche diesen entsprechen. Das Leben gleicht somit einem Spiegel, in dem wir die Manifestation unserer Gedankenmuster betrachten. Wir fühlen uns gefangen und auf der SUCHE.
Es ist jedoch die Suche, die den Kreislauf aufrechterhält. Wir suchen nach einem (Aus-)Weg aus unserem Erleben, das wir vielleicht als sinnlos, schmerzhaft oder sogar qualvoll empfinden. Dabei ist 'Leben' jedoch nicht ungerecht, das Leben nicht von Gott auferlegt oder Ähnliches. Unser Erleben ist ein Resonanzfeld unserer Gedanken. Und AUFzuHÖREN MIT DER SUCHE bedeutet, dass wir Handlungsmuster nicht länger wiederholen.
Der Weg unseres Lebens führt uns - ob wir es wollen oder nicht - durch Resonanzräume unserer verankerten Verstandesmuster. Dem Erleben auszuweichen oder es zu vermeiden, ist die Ursache unserer fortwährenden Suche nach einem (Aus-)Weg, der jedoch vielmehr ein Irrweg ist.
Vertrauen in das Leben bedingt, dass wir die Suche aufgeben und Gedanken und Emotionen als Resonanzraum erkennen. Gedanken und Gefühle, sogar körperliche Reaktionen und Symptome sind Kennzeichen einer Resonanz. Eine Einladung, diese da sein zu lassen. Dieses 'da sein lassen' gleicht einer Metaposition, welche die empfundene Identifikation lockert und du gleichsam aus einer Such-Hypnose erwachst, hinein in den gegenwärtigen Moment. Dies bedeutet nicht, dass du fortan Gedankenstille erlebst, sondern vielmehr ein 'da sein lassen' von Gedanken und Emotionen, die unseren Geist durchfluten! Das Aufgeben der Suche offenbart das Leben selbst - eine Inspiration, ein Bild, eine Vision oder ein Wissen, das aus dem Moment selbst geboren ist.
Das Leben bringt fast unbemerkt das Neue hervor. Unser Lebensweg möchte gleichsam in Übereinstimmung mit uns Selbst sein.
Vertrauen in das Leben bedeutet, zu erkennen, dass du bereits auf dem ‚richtigen‘ Weg bist und jeder Moment einerseits eine Widerspiegelung deiner Gedanken sein kann, andererseits aber auch die Möglichkeit beinhaltet, durch Aufgeben der Suche und da sein lassen dessen, was in dir lebendig ist, zum Ausdruck deines Selbst im jeweiligen Moment zu finden.
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Jede Veränderung beginnt mit einer Entscheidung. Es sind jedoch die kontinuierlichen, kleinen Schritte, die den Unterschied machen - für eine bewusste Verbindung mit deinem Potenzial!
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Foto: Photos Pro